Pievox  Information



  Richtig Aussteuern ist wichtig, wie zu beweisen ist:

  Zweck der Untersuchung war die Feststellung der Intermodulationseffekte an der Aussteuerungsgrenze und Korrelation zur VU-Anzeige

  Um der Amplitudenverteilung von  Musik zu entsprechen, wurde ein Gemisch aus zwei Sinustönen 30Hz und 8 kHz im Verhältnis 4:1, verwendet.
  Der 8 kHz Ton ist damit 12dB leiser als der 30 Hz Ton

  Dieses Ton-Gemisch wird an die Eingänge der B77 gelegt und auf 0dB ausgesteuert.  Dann wird ein Kanal  auf +3 dB und  +6 dB in die Übersteuerung gefahren.

  Verwendet werden die Geschwindigkeiten 9,5cm/s und 19cm/s einer Revox B77 (ohne MK) mit NAB Entzerrung
  Bandmaterial  war EMTEC SM 468

   Revox   B77  19cm/s  NAB




  Aussteuerung 0dB
  Aussteuerung  unterer Kanal +3 dB
  Aussteuerung  unterer Kanal +6 dB
  Unterer Kanal 2V/div


  Revox   B77  9,5 cm/s 




  Aussteuerung 0dB
  Aussteuerung  unterer Kanal +3 dB
  Aussteuerung  unterer Kanal +6 dB
  Unterer Kanal 2V/div

  Kommentar

  Bei Aussteuerung auf 0dB ist noch keine Intermodulation bemerkbar.

  Bei +3dB beginnt - erkennbar am Scope - eine Verformung der 30Hz Schwingung durch den ansteigenden K3 bei der Amplitudenspitzen-Aussteuerung.
  Bei +6dB ist eine deutliche Intermodulation der 8 kHz Frequenz durch die 30Hz infolge der Sättigung in den Amplitudenspitzen und diese ist auch hörbar als Trillern des 8kHz Tones.

  Bei 9,5cm/s ist der Intermodulationseffekt wie zu erwarten war, ausgepägter.

  Bei beiden Geschwindigkeiten ist der ansteigende Klirrfaktor des 30 Hz Sinus akustisch nicht wahrnehmbar, jedoch die Gleichmäßigkeit des 8kHz Tones wird zum Trillern.

  Anteil der NAB Entzerrung:  Es ist zu vermuten, daß die Baßanhebung der NAB Entzerrung hier verstärkend wirkt,
    das heißt, daß bei IEC ein weiterer Headroom bei der Intermodulation besteht und die Intermodulation erst bei noch höherer Übersteuerung mit tiefen Freq. entsteht.

  Fazit:
  Es ist wichtig, bei stark baßlastiger und impulsbehafterer Musik gerade bei NAB Entzerrung sorgfältig auszusteuern und den roten Bereich der VU Meter konsequent zu vermeiden.

 
Weitere Informationen zum Thema Aussteuerung:

      
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:VU-meter-reponse-graph.svg&filetimestamp=20060709013312

   
  Anmerkung
  Beobachtetes Nebengeräusch ist ein Poltern, daß nur bei Aussteuerung entsteht.
  Vermutlich würde bei Aussteuerung durch reales Programm durch die Impulshaltigkeit  das Poltern verdeckt.




Wieso plattet sich bei der Aussteuerung in die Sättigung die Kurvenform der Wiedergabe-Spannung nicht ab?

    Die Frage ist gut!
    Die Antwort ist mit etwas Theorie verbunden:
    Der Wiedergabekopf ist ein sog. elektrodynamischer Wandler, d.h. er hat nur bei Änderung des Magnetfeldes eine Ausgangsspannung,
    die ansteigt, wird wenn sich das Magnetfeld schneller ändert.
    Vor der Erfindung des Nabendynamos hatte jeder diese Erfahrung beim Fahrradlicht.:
    Im Stand - kein Licht,  langsam bergauf - schwaches Licht - schnell Bergab  helles Licht.

    Also nicht der Absolutwert der Magnetisierung auf dem Band ergibt die Wiedergabe-Kurvenform, sondern deren Änderung .
    Das ist mathematisch die Ableitung von einer Kurve.

    Bei einer sinusförmigen Magnetisierung ergibt sich damit der Fall der größten Ausgangsspannung beim Durchlaufen des Nulldurchgangs,
    an den Spitzen des Sinus ist die Änderung = null, damit hier der Nulldurchgang der Ausgangsspannung.
    Bei perfekter Sinusform ist die Ableitung des Sinus wieder eine Sinuskurve.



Sinus mit 3% K3  (rote Linie)
Ausgangsspannung = blaue Linie
Sinus mit 10% K3 (rote Linie )

Bei einer Aufnahme mit Band-Sättigung ergibt sich eine etwa trapezförmige Magnetisierung.

    Die Änderungsgeschwindigkeit im Sättigungsbereich ist kleiner, deshalb wird der Bereich um den Nulldurchgang in der Wiedergabe breiter,  gefolgt von schnellen Übergängen, die eine dreieckförmige Ausgangsspannung ergeben.
(blaue Linie)