Ernst Schmid Elektronik München:
            Reparaturtips  für Revox-Geräte  Amplifier
  

 
Die angesprochenen Punkte :

Allgemeine Tips

Messen statt vermuten - meine Empfehlung zur systematischen Fehlersuche

Verbessern der Schaltung an der Ruhestrom-Einstellung - das ist von Vorteil - im Falle, wenn das Potentiometer den Schleifer-Kontakt verliert!.

Andere sinnvolle Verbesserungen  z.B  Einschaltverzögerung  für Revox A50 / A78  und  Neue Cinch / RCA Buchsen einbauen

Vergrößern der Ladeelkos  : Soll / darf man in die Revox A50 / A78 Netzteil-Elkos mit höherer Kapazität einbauen?

Spezialität  der A50 - A78 Endstufe:  Der schwimmende Nullpunkt
      
Lautsprecher-Relais  -   Welches ist das Richtige? Warum sollte man kein "Leistungsrelais" verwenden?

S
chalterbahnen putzen - Reinigen - statt zerstören !




 Allgemeine  Tips zum Reparieren alter Geräte:

    Vorsichtsmaßnahmen:
    Elektrische Geräte sind keine Bastelkästen für Laien.
Hier lauern erhebliche Gefahren, da die Geräte für den Service durch Fachkräfte vorgesehen sind.
    Spannungsführende Teile sind evtl. NICHT geschützt oder abgedeckt.  Auch nicht in Geräten der Schutzklasse II (Schutzisoliert)

    Deshalb:
  
    Keine offene Geräte eingeschaltet herumstehen lassen.

    Vermeiden,  in Geräten unter Spannung zu arbeiten.
        Und wenn es unumgänglich ist,  an Geräten unter Spannung zu arbeiten,  mit höchster Konzentration arbeiten.

    Keinen nebenrein quatschen lassen oder telefonieren.  

    Immer auch die ESD-(electro static discharge)  Problematik im Hinterkopf behalten, d.h. technisch sauber arbeiten.

    Muß im eingeschalteten Gerät an schlecht zugänglichen Meßpunkten gemessen werden,
    ist es besser,  anstatt durch einen Kurzschluß mit der Meßspitze einen Schaden im Gerät zu setzen.,
    die Messung vorzubereiten, d.h. erstmal im ausgeschalteten Zustand temporär eine Leitung am Meßpunkt anzulöten
    und sorgfältig am anderen Ende die Meßspitze anklemmen und mit einem Schlauch isolieren. 
    Dann erst einschalten und messen,  

    Und die juristische Seite - Wer Geräte für Andere repariert steht in der Haftung, auch unter Freunden .....  das kann teuer werden.

    Meßtechnik Ausstattung:
    Muß: Analog Audio mV Meter - das ist dann der Referenzpunkt, an dem alle anderen Werte gemessen werden.
    Da gibt es meine Favoriten HP400E,  Bruel&Kjaer 2425 und Sennheiser UPM550  -  sind aber oft recht teuer.
    Batteriebetriebene Pegelmesser sind sehr gut, da sie keine Falschmessungen durch Brummschleifen des Schutzleiters verursachen.
    Digitale Pegelmesser wie Wandel und Goltermann PMP20 sind auch gut geeignet,
    haben den Nachteil, daß man Spannungen immer aus den angezeigten dB-Werten umrechnen muß.

       Auch die Einstellung der Vormagnetisierung auf z.B -4,5dB  geht etwas umständlicher als bei einem Zeigerwerk.

        Mein Tip für die Sparfüchse 
Ein Super- Universalinstrument für  DC und AC, Widerstände  und Meßmöglichkeit für Kondensatoren im Bereich 1n - 10uF  ist das Unigor U43 (p)   
            Man kann damit in Schaltungen - mit einmal anklemmen - durch Tastendruck DC und AC Werte messen.
            Wechselspannung  10mV ist noch gut ablesbar entspr. -40dBu

  Den roten Punkt habe ich aufgeklebt, um immer an das Ausschalten erinnert zu werden.



   Tongenerator - auch möglich Computer (Notebook) mit guter externer Soundkarte -
    Ich verwende eine externe Terratec Phase 26, sie  ist recht linear von 20Hz -20kHz .

    Sauberes Werkzeug - Bithalter mit Magneten können bei Verstärkern verwendet werden, an Tonbandgeräten sind sie tabu!

    Gut zu haben:  Oszilloskop , Regeltrafo zum definierten Hochfahren nach Arbeiten an der Endstufe.
   

    Fehlersuche
   Ein schwieriges Feld für Laien, aber auch Fachleute haben damit oft ein Problem.
    Denn man muß die Schaltung wirklich verstehen, und das ist bei Gegenkopplungen und Rückführungen
     und der oft verwirrenden Darstellung in der Schaltplan-Zeichnung oft  recht schwierig.
    Ich behelfe mir, wenn mehrere Gegenkopplungspfade die Funktion schwer abschätzbar machen, mit einem
    Simulationsprogramm wie LTSpice, hier kann man dann die gleiche Schaltung zweimal anlegen mit
    1. Originalwerten   und  in der 2. Version nebendran kann man Veränderungen vornehmen und die Differenz anzeigen lassen.
    Man
kann dann Auswirkungen und Funktion der Schaltelemente an dieser Stelle verstehen
und evtl. Einflüsse beim Fehlen oder Verändern der Werte beobachten und mit dem konkreten Fehlerbild vergleichen.

    Reparatur an alten Geräten hat als oberstes Denkschema für Ursachen : Gealterte Bauelemente !
    D.h. Werte der Bauteile außer Toleranz oder höhere ESR Werte oder Kurzschluß bei Kondensatoren.
    Auch Transistoren können altern und verlieren Stromverstärkung,  besonders die Plastikgehäuse-Transistoren sind betroffen.

    Auch zu Bedenken ist, daß Geräte, die z.B. Digital-Elemente (TTL-iCs ) enthalten und in den ersten Jahren der Digitaltechnik
    1970 +++  gebaut wurden, eventuell nicht diese - erst später als erforderlich gesehenen Blockkondensatoren - eingebaut haben.
    Diese Geräte laufen jahrelang  störungsfrei bis .... irgendein Element verändert sich,  und erzeugt Störungen im Digitalteil.


    Methodische Fehlersuche als Ziel
    Zum Beispiel: Ein Verstärker knackt nach bestimmter Zeit auf einem Kanal
    Hier kann man die vermutete fehlerhaft funktionierende Stufe überbrücken (Eingang und Ausgang abtrennen)
    und den Verstärker ohne diese Stufe dann testen.
    Wenn der Fehler dann nicht mehr auftritt ist das ein positiver Beweis - hier ist der Hund begraben.

    Auch Service Unterlagen stammen nicht aus dem Himmel, sondern sind Menschenwerk, damit enthalten sie einige Fehler.
    Auch renomierte Firmen sind davor nicht gefeit. 
    Z.B.in der Revox PR99 Service-Anleitung, Abteilung Wiedergabeverstärker sind wohl durch das Umzeichnen
    die Wertangaben der Widerstände an den Emittern vertauscht worden. So würde das nie funktionieren.
    Oder es sind Leitungsverbindungen falsch eingezeichnet oder vergessen worden.
    Also auch an diese Möglichkeiten denken.

    HF-Schwingungen können entstehen dúrch Kapazitätsverlust bei Kondensatoren, die HF Stabilität bewirken sollen.
    Diese HF-Schwingungen ziehen sich dann durch das ganze Gerät  und bewirken eine sogenannte Handempfindlichkeit
    d.h. die Annäherung der Hand oder Berührung verändern den Fehler.

    Hatte mal den Fall:  Der  Revox A50 Vertärker brummt auf einem Kanal leise.
    Bei der Routinekontrolle
zeigt sich beim Einstellen des Ruhestroms ein seltsames Verhalten: 
    Der Ruhestrom
sprang von 5mA auf 50mA. Grund für den Sprung war, daß beim Überschreiten der 5mA die Endstufe instabil wurde und
    HF Schwingungen produzierte, die den Ruhestrom sofort auf 50mA ansteigen ließen.
    Und Verursacher der Instabilität war ein
0,1uF Kondensator an der 42V Leitung auf der Platine gegen GND, der einen 97 % Kapazitäsverlust hatte.


    Messen statt vermuten
   Man muß im Hinterkopf behalten,  jede Messung beinflußt die Schaltung, denn das Meßgerät ist nicht unendlich hochohmig,
    und 
die Meßleitungen haben eine Kapazität und sind in der Regel nicht abgeschirmt, sind also Antennen und fangen Brumm auf.

    Muß man an  unzugänglichen Stellen etwas Messen, kann man dort am Meßpunkt eine Leitung anlöten und den Meßpunkt herausführen.

    In stark gegengekoppelten Schaltungen ohne Spannungsangaben kann man Details durch eine Simulation
     mit LTSpice  herausarbeiten und in der realen Schaltung vergleichen.

    Denn jede Schaltung hat ihre Fixpunkte, Spannungsteiler etc.  von denen ab sich die Verhältnisse aufbauen

   Reparaturen an Audio Endstufen
   Erfahrungsgemäß sind bei einem crash hier ALLE Transistoren der Ausgangsstufe überlastet worden.
    Deshalb mein Rat, nicht Einen nach dem Anderen, sondern ein Aufwasch - neu Bestücken.

    Zweckmäßg ist das Hochfahren der reparierten Endstufe (ohne Lautsprecher  !!!)
        mit einem Regeltrafo unter Beobachtung  der Netz-Stromaufnahme und
Kontrolle  ob sich die Endstufe sauber auf Mittelpunkt einregelt.

    Wenn die Netz-Stromaufnahme  beim Anfahren der Netzspannung hochschießt, ist noch Handlungsbedarf,
    auch wenn die Ausgangsspannung
an einer Versorgungsspannung ( + oder - ) hängen bleibt .

     Potentiometer für die Mittenpannung und den  Ruhestrom
     Hier ist es nicht mehr nur mit einem Ersatz der Potentiometer für den Ruhestrom getan,
     hier empfehle ich sogar für alle Verstärker, in denen das Potentiometer als variabler Widerstand in einer sog. "Vbe Multiplier Schaltung "
     benutzt wird, oder rein als Potentiometer, eine Schaltungsänderung einzubauen.
Kostet fast nichts und spart im Fehlerfalle viel Geld und Arbeit.

     Die folgenden Schaltungen bilden nur das Prinzip ab, mit dem die Gefahr für die Ausgangs- und Treibertransistoren gebannt wird,
     die durch den Querstrom-Anstieg entsteht, wenn der Potentiometer Schleifer abhebt oder durch Schmutz etc. unterbrochen wird.

 Schaltung  Ruhestrom 20mA Schaltung  Pot Schleifer offen = Querstrom 3,5A



Verbesserung  durch Einfügen von R3  Verbessererte Schaltung Pot Schleifer offen = Querstrom nA


Diese  Sicherheitsüberlegung gilt übrigens auch für Potentiometer in Netzteilen und Spannungsreglern.
Auch hier kann durch Verlust des Schleiferkontaktes eine für die angeschlossene Schaltung zerstörerische Wirkung durch Überspannung erfolgen.
Das Potentiometer also immer so in die Schaltung einplanen, daß es, wenn der Schleifer abhebt, zu einer sicheren niedrigeren Spannung regelt.
Denn irgendwann ist das der Fall.



    Gleichrichter und Brückengleichrichter aus Einzeldioden
    Im Netzteil wird oft zur Minderung des Abschaltburst jede Diode mit 10nF evtl. auch 0,1u genügender (2x U ac) Spannungsfestigkeit
        direkt an den Anschlüssen der Gleichrichter die Dioden überbrückt.

    Wobei es hier einen High-End Mythos gibt, der behauptet, man würde den "Klang " von schnellen Gleichrichtern hören.
    Ich kann nicht von "weggezogenen Vorhängen" und ähnlichem Bullshit berichten.
    Meine Forschungen haben einen anderen Zusammenhang ergeben:
Beim Abschalten des Ladestroms - wenn die Trafospannung wieder unter die Spannung des Elkos sinkt,
entsteht mit der Streuinduktivität des Trafos ein Resonanzkreis, der eine gedämpfte Schwingung anregt.
Ein einfacher Kondensator über den Gleichrichter verschiebt nur die Frequenz der Schwingung und kann
sogar kontraproduktiv wirken, denn mit niedriger Frequenz kommt man mehr in den Arbeitsfrequenzgang des Verstärkers.
Die Lösung ist ein sogenannter Snubber, eine angepaßte Kombination aus Widerstand und Kondensator.
    Wobei der Widerstand über den Kondensator die Schwingung dämpft, indem er Energie entzieht .
Ganz Ideal wäre eine sanft abschaltende Gleichrichter-Diode, die keinen Abriß-Impuls erzeugt.


    Elkos (Aluminium und Tantal)  ersetzen
    Am einfachsten erkennbar und meßbar sind totaler Kapazitätsverlust und Kurzschluß.
    Schwieriger zu erkennen sind erhöhte Werte des Restwiderstandes (ESR) und Leckströme im 10 -100uA Bereich.

    Die Folge von Leckströmen: An Schaltern treten Knackstörungen auf und Arbeitspunkte der Schaltung verschieben sich.

    ESR Werte spielen bei Koppelkondensatoren eigentlich keine Rolle, denn die Ströme durch die Kondensatoren sind so gering
    und in der Regel sind die Kapazitäten so groß dimensioniert, daß auch 50% Kapazitätsverlust noch keine  - oder gerade meßbare
    Veränderung ergibt.   Was auch dem angeblich audiophilen Kondensatorhören am stärksten entgegenspricht.

    Der Hauptanwendungsfall für low-ESR Kondensatoren sind Schaltnetzteile. Hier entsteht dann tatsächlich weniger Wärme. Aber sonst auch nichts.
    Kein besserer Klang.

    Im Gegenteil können "moderne" Kondensatoren mit geringen ESR Werten erst Probleme erzeugen:
    Denn :
    Manche Audio-Schaltungen sind kapazitiv belastete Emitterfolger, die nach dem Einbau neuer Kondensatoren schwingen, da die
    neuen Kondensatoren (audio grade) geringere Rest-Widerstände besitzen und deshalb die Emitterfolger instabil werden lassen.
    Die Leiterbahnen wirken wie gedruckte Spulen und je nach Anregung werden Brummbursts erzeugt, die dann
    in anderen Schaltungsteilen gleichgerichtet werden und zu Brumm- und Knister-Störungen werden.

Detailseite zum Elko-Thema  Elko-Thema

    Folienkondensatoren:
    Auch diese altern und können sowohl Kapazität verlieren - als auch höhere Kapazitätswerte annehmen. Selten aber selbst erlebt.

    Da man die Kondensatoren in der Schaltung kaum messen kann, lötet man zum Messen den Kond. aus.
    Dabei kann es passieren, daß der Kondensator durch die Hitze des Lötens "geheilt" wird, indem
    Anrisse der Beläge wieder kontaktiert werden. Beim Messen verhält er sich dann kurzzeitig normal.
    Wird er wieder eingebaut, kann nach einiger Zeit der alte Riß wieder wirksam werden.
    Besser also ersetzen durch gleichen Wert.

    Keramikkondensatoren gelten als unverwüstlich - aber auch hier gibt es Ausnahmen. Ich habe hier aus einem Gerät  zwei braune Kerkos
    die wie Mikrophone wirken.  Das war auch auch die Fehlerbeschreibung : Klickstörungen. Immer wenn man den Drehschalter betätigt hat,
    wurde das Rasten der Schalterkugel durch die "Kondensator-Micros" in den Audiokanal eingespeist.

    Transistoren und IC´s ersetzen:
    Das kann ins Auge gehen.

    Denn, obwohl nach Datenblatt die modernen Halbleiter  vergleichbar oder "besser" sind,
    können dadurch Effekte auftreten durch das Schaltungs- und Platinenlayout, die darauf nicht vorbereitet waren.
.   Dann schwingt die Schaltung auf hoher Frequenz (bis in den MHz Bereich) und ist nur mühsam zu beherrschen.
 
    Die Folge: An Schaltern treten plötzlich Knackstörungen auf und Arbeitspunkte verschieben sich.

    Wenn Ersatz nötig ist- immer die gleiche Stromverstärkungsgruppe einsetzen. Also nicht BCxyz "C" statt BCxyz "B" !
    Die Regel "Viel hilft Viel"  gilt hier nicht !

    Spannungsregler benötigen keramische Kondensatoren (0,1uF) direkt am Eingang und Ausgang,
    OPs ähnliche  Kondensatoren über die  +V und -V Pins  gegen GND  .

     



Revox Verstärker  A50
Fehler: leises Brummen auf einem Kanal

Vorsorglich wurden die Elkos auf beiden Endstufen erneuert, aber ohne Erfolg.  Übrigens waren alle Kapazitätswerte der Elkos
noch in der Toleranz!   Auch die Potis zu Einstellung des Ruhestromes und der Mittenspannung wurden ersetzt.

Auffällig war, daß sich bei dem brummenden Endstufenkanal der Ruhestrom nicht mehr richtig einstellen ließ.
Aus der Minimalstellung sprang der Ruhestrom sofort auf über 50mA.

Die Ursache für dieses Verhalten ist, daß die Endstufe schwingt, wenn die Leistungstransistoren durch den Ruhestrom in den
Verstärkerstromkreis eingebunden werden. (Phasenrand usw.)

Die Endstufenplatine war aus einer sehr frühen Serie, Printmaterial Epoxy, Stempel  1971

Deshalb fällt mein Verdacht auf die vier roten WIMA 0,1 uF-  und tatsächlich, einer der Wima´s hatte 97% Kapazitätsverlust: 3,3nF statt 100nF-  
offenbar ist die Kontaktfläche innen abgerissen.

Nach dem Ersetzen der Wimas - vorsorglich gleich alle vier - ist die Endstufe wieder sauber, Ruhestrom und Mittenspannung lassen sich einwandfrei einstellen.



Soll / darf man Lade-Elkos mit höherer Kapazität einbauen?   Hier muß man wissen, was man macht.

Was passiert beim Eischalten, wenn man die Netzteilelkos vergrößert ?

größere Stoßströme für die Gleichrichter
Der Spitzenstrom der Gleichrichter für Kondensatorlast ist aber begrenzt - siehe Datenblattauschnitt weiter unten
größere Stoßströme in der Trafowicklung
Die Trafowicklung wird wärmer
höhere und länger- dauernde Magnetisierung der Kernbleche des Trafos (Sättigung)
 Was zur Permanetmagnetisierung der Kernbleche führen kann und der Trafo dann brummt.  Na sowas  ???
höhere Ströme in den Leiterbahnen.
Was dann auch zu erhöhtem Brumm führen kann durch den größeren Spannungsabfall, den die größeren Ladestromspitzen erzeugen .


Auf  manchen Internetseiten von selbsternannten "Profis"  wird mit blumigen Sprüchen und Versprechen  zur Vergrößerung der Ladekondensatoren geraten.  " .. mehr Bass-Fundament  und Bühne - Blahblah..."

Tatsache ist, und das kann mit dem hier unten erwähntem Link nachgeprüft werden,
ist damit eher eine Gefährdung des Gleichrichters und des Trafos verbunden.
So mancher High-Ender Enthusiast, der seine Netzteil-Kondensatoren (teuer) vergrößert hat,
beklagt anschließend ein Brummen des Trafos.
Die Ursache ist:  Durch die größeren Ladeströme und Stromspitzen beim Einschalten
wird das Eisen des Trafokerns so stark magnetisiert und in die Sättigung getrieben.

Auch die Elkos selbst werden durch die Stoßströme beim Einschalten nicht gerade geschont.
Aus technischer Sicht ist also von der Vergrößerung der Ladekondensatoren abzuraten.


Auf der Site   http://www.changpuak.ch/electronics/power_supply_design.php   finden Sie ein Simulationsprogramm für Netzteil Gleichrichter.




Auf dieser Site  kann man  z.B.  zur Simulation des Revox A50/A78  Netzteils  die Werte anpassen:
Trafo  sec 60V , 3A 
Last: 400 Ohm
Storage Cap:  (original sind  2x 5000uF in Serie  = 2500uF)    und mit "Calculate" das Diagramm erstellen lassen.
Man erkennt den Einschalt-Stromstoß  ca. 17A  für die erste Halbwelle

Und jetzt mal nur die Ladekondensatoren auf  2x 10.000uF in Serie  = 5000uF vergrößern
Man erkennt : Der Einschalt-Stromstoß  vergrößert sich auf ca. 27A .
Das muß der Gleichrichter leistungsmäßig wegstecken, (2,2A-Typ !! )
und der Trafo ist sicher in der Sättigung der Kernbleche.
Auch am flacheren  Anstieg der Gleichspannung über 3 Sinuswellen erkennbar, daß hier mehr gearbeitet werden muß.




Weiteres Argument gegen diese Art "Verschlimmbesserung" bei der Revox A50 und A78  ist ,
daß der Gleichrichter B80C2200 laut Datenblatt nur für eine Kapazität kleiner 2500uF geeignet  ist.
(2500uF : das sind zwei 5000uF Kondensatoren in Serie -  wie es hier in der Originalschaltung der Fall ist)




Man sollte die originalen Werte der Elkos bei 5000uF  oder heute  4700 uF  belassen.
Es ist durch den Einbau einer größeren Ladekapazität "kein besseres Baßfundament" oder ähnlicher High-End-Käse zu erwarten !
Wer das behauptet, der hat die Wirkungsweise eines Verstärkers nicht verstanden, sondern will nur schwafeln.


Eine höhere Spannungsfestigkeit der Elkos ist hier dagegen sehr von Vorteil,
denn die Schaltungstechnik der A50 /A78 Endstufe ist so ausgelegt, daß im Falle eines Durchbruchs eines der Leistungs-Transistoren (auf dem Kühlkörper) nicht der gesamte Netzteilstrom dauernd über die Lautsprecher geleitet wird und diese zerstört,
sondern bei der A50 /A78 wird dann einer der Netzteil-Elko auf volle Spannung geladen, dann ist Ruhe.


Deshalb müssen die Elkos in diesem Falle diese volle Spannung der gleichgerichteten 60V vom Trafo (= ca. 85V) halten,
nicht nur die normale Arbeitsspannung 42V !  Und da sind auch 63V nicht ausreichend.

Weiterer Punkt sind die Toleranzen der Elkos : Die Schaltung ist empfindlich und erzeugt Brumm, wenn
die Werte der jeweils zusammen eine Siebung bildenden Kondensatoren zu stark abweichen.

Die grundsätzliche Toleranz  -10/+30% der Elkos  ist für eine Standard Netzteil-Schaltung kein Problem,
aber hier in der Revox A50  und A78, wo die Elkos mit der Endstufe eine Brückenschaltung bilden
wirkt sich die verschobene Balance der Kapazitäten als Brumm aus.
Auf Anfrage liefere ich durch Messung gepaarte 4700µF - 100V Elkos für die Revox A50 und A78  mit auf 2% gleicher Kapazität .
Anfragen an   Info at pievox.de

Deutlich erkennbar ist das Brückenprinzip der Endstufe.

Über die Widerstände R903 und 904 wird die Gleichspannung über den  Ladekondensatoren vom Einfluß der Leckströme unabhängig.

Es ergibt sich ein "schwimmender " Nullpunkt.

Im Falle des Durchbruchs eines 2N3055 lädt sich der ensprechende Elko der Gegenspannung auf volle 84V auf.

Z.B.  hat Q505 Kurzschluß
 lädt sich einfach C907 über den Lautsprecher. Fertig.


Minus 10%  / + 30 % als Toleranz  - das ist heftig.
Beim Einsatz in der Schaltung des Revox A50 A78 sollten die Netzteil-Elkos pro Kanal gepaart werden.

Um den Brumm durch Unterschiede in der Kapazität der Ladeelkos
minimal zu halten,
ist es zweckmäßig die Elkos auszumessen und gepaart mit max 10% Tol einzubauen

100V Spannungsfestigkeit der Elkos
halte ich heute für essentiell,
um im Schadensfall eines Transistors die Lautsprecher nicht zu gefährden.

Daß im Original nur 50V Elkos eingebaut
wurden, könnte eine Designschwäche sein
 oder ein techn. Kompromiß.
Evtl.  gab es 1967 keine 100V - Elkos  in dieser  Baugröße.




Hier mein Revox A50 Verstärker, Version 2  (ohne LS-Sicherungen) mit neuen Elkos  und Pievox Lautsprecher-Einschaltverzögerung
Ich wollte kein Gebastel mit Schrumpfschlauch und Kabelbindern in meinem Revox A50


Das Resume:
Man sollte die originalen Werte der Elkos bei 5000uF oder heute  4700 uF  belassen,
anstatt das ganze Gerät zu gefährden für ein Versprechen des besseren "Bass Fundaments".

Meine Meinung dazu: Wer Derartiges verbreitet, hat die Funktion eines Verstärkers nicht verstanden.
Oder verfolgt ein rein kommerzielles Interesse des Verkaufens, und nimmt die Beschädigung der Kundengeräte in Kauf.
Die Prüfung der fachlichen Kompetenz dessen, der derartige Dinge vertreibt, könnte Überraschungen zu Tage fördern.

100V Elkos sind heute in der Baugröße die Regel und leicht erhältlich, und ein Ersatz des Tieftöners einer Box ist in jedem Falle teurer -im Falle x !




Die Einschaltverzögerung  für den Revox A50  und A78
Meine Erfahrung mit Verstärkern OHNE Einschaltverzögerung ist, daß mir bisher zweimal die Sicken der Baßlautsprecher gerissen sind.

Nach diesen teueren Reparaturen der Chassis habe ich für meine Verstärker
Einschaltverzögerungen entwickelt und nachgerüstet.

Eine Version dabei ist für den Revox A50 und A78
optimiert . Es braucht hier wegen des "schwimmenden Nullpunktes" - siehe weiter oben  - keine DC Überwachung.

Wichtig ist hier:
1. das Relais - näheres dazu weiter unten
2. schon auch das Aussehen
    Ein Gebastel aus Schrumpfschlauch und Kabelbindern wollte ich nicht in meinem A50 Verstärker sehen.




Neue Cinch / RCA Buchsen  einbauen

Das ist nicht nur eine Sache des besseren Aussehens .. Etwas mehr Abstand der Buchsen ermöglicht klemmfreies  Einstecken  auch von Steckern mit 12mm (Neutrik)
Ein Einbaubericht  wäre hier   Neue Pievox - Cinchbuchsen  in Revox A50 und A78




Braucht man ausgemessene Transistoren für den A50 / A78?
Bei der Konstruktion und dem Bau des Revox A50 / A78 wurden keine Halbleiter ausgemessen.
Auch die postulierte Schwingneigung gehört in das Reich der Fabel.
Vom Vergrößern der Ladekondensatoren rate ich ab. Aus Gründen die oben beschrieben sind.

Die Wirkung von Bypaß-Kondensatoren halte ich - und nicht nur ich - für nicht wirklich hörbar.
Ich kann mir auch technisch nicht vorstellen, daß eine kleine Kapazität, parallel geschaltet zu einer großen Kapazität,
über die im Audiofrequenzband so gut wie keine Spannung abfällt !!! ,
 eine "klangverbessernde" Wirkung haben soll.

Das ist in meinen Augen und Ohren Voodoo und Beutelschneiderei übelster Sorte.
Wäre tatsächlich hier eine Wirkung, hätten renomierte  Meßgerätehersteller wie Rohde & Schwarz, Wandel & Goltermann
oder Hewlett Packard diese Bypaßkondensatoren verwendet.

Die Revox  A50  und A78 sind robuste Verstärker für den Hausgebrauch.

Anpassung an Kopfhörer
Wem - beim Revox A50 - der Brumm und das Rauschen auf der Phonesbuchse zu groß ist,
kann mit einfachen Mitteln eine in der A78 eingeführte Schaltungsergänzung einbauen:
Zwei Widerstände zu je   47 Ohm  an den Phones Buchsen über die Kanäle ergibt ca. 4 dB  weniger Brumm  bei Verwendung von 32 Ohm Kopfhörern,
 bei 600 Ohm Kopfhörern sogar 13dB weniger Brumm und Rauschen.

Ein Tip noch  für die A50 :
Wenn der Verstärker mit gedrückter "Tape- mon"-Taste eingeschaltet wird,
werden die Ausgangskondensatoren C206  und C226  der Filter-Emitterfolger nicht geladen.
Das ergibt dann ein "Plopp" Geräusch, wenn die "Tape mon"- Taste ausgelost wird.  
Durch einen zusätzlichen Widerstand pro Kanal an der Tastenplatine kann dieser kleine Designfehler der A50 behoben werden:  
PDF mit Foto des Einbau-Platzes der Widerstände: Bitte Mail an   "info at pievox.de"  mit Betreff Patch  für A50 Tape Mon.




Annekdoten zum A50  (selbst erlebt in den Jahren 1968 -1971).

Der A50 war vorgestellt und es kam von Kunden immer wieder die Frage auf, ob denn die Endstufe
 - wie bei anderen Herstellern auch beworben - kurzschlußfest wäre.

Das war aber bei der ersten Version des A50 (mit den Lautsprecher-Sicherungen unter der Klappe) nicht der Fall.

Somit ging an den Entwickler die Weisung: Endstufen kurzschlußfest machen.
Die Änderungen auf dem bestehenden und festen Platinenformat unterzubringen war nicht einfach.  Alles kleiner und enger .
Ausprobiert an Widerständen funktionierte alles wunderbar.

Dann kam die Vorfühung mit den Revox Lautspechern auf der Messe und es kam bei größerer Lautstärke nur noch krächzen.
Die Strombegrenzung wirkte durch die Phasenverschiebung von Strom und Spannung durch die Frequenzweichen zu früh und
reduzierte die Leistung.

Also nochmal auf den Labortisch  .....  

Zudem erhielt der A50 Version2  einen Thermoswitch, der bei ca. 80 grd. Temperatur der Kühlfläche die Verstärkung reduziert.

Bei den A78 Endstufen wird durch den Thermoswitch der Endstufenkanal komplett abgeschaltet.



Überlegungen zum Lautsprecher-Relais

Mein Statement : Ein Leistungsrelais ist für den Lautsprecher-Ausgang  nicht geeignet .
Warum nicht? Der Verstärker hat doch 100W - sagen sie !

Na gut, hier ist die Erklärung, warum so viele Verstärker mit Leistungsrelais für die Lautsprecher an eben diesen Relais leiden:

Wie man weiß, ist Musik mal leise und mal laut.
Das heißt die Belastung der Kontakte ist manchmal minimal = Schwachstrom, und dann doch einige Ampere, wenn es mal lauter wird.

Und das ist der Unterschied zu  z.B. einer Heizung, die ist eingeschaltet mit z.B. 2000W = ca.9A bei 230V .
Wenn der Kontakt eine leichte Schwäche hat, dann brennt er sich durch den Strom frei.

Das kann er bei einem Lautsprecher nicht.
Deshalb beginnen auch früher oder später alle Verstärker mit einem "Leistungsrelais" im Ausgangsstromkreis zu kroseln.

Um das zu vermeiden, ist am Lautsprecherausgang der Verstärker ein sogenanntes "Signal-Relais" mit  vergoldeten
Kontakten erforderlich.

Das hat zwar nicht die Schaltleistung von Wolfram-Silber Kontakten,
aber einen durchwegs niederohmigen Kontaktübergang auch bei kleinen Strömen und Spannungen.  Und das zählt hier.

Der Nachteil von Goldkontakten ist - man kann keine "sehr großen" Leistungen schalten.

Wer also vor hat, seine Lautsprecher bei voller Leistung Ein- oder Auszuschalten - aus welchem Grunde auch immer -
der muß eine Hilfsschaltung anwenden mit einem parallel-geschalteten Leistungsrelais-Kontakt.

Das Einschalten erfolgt dann in der Reihenfolge  - 1. Leistungskontakt fürs Grobe  und dann  2. die Goldkontakte

Ausschalten erfolgt umgekehrt: 1. Goldkontakte trennen, dann 2. Leistungskontakt abschalten

Die Lichtbogen und Schaltfunken werden dann von den hochbelastbaren Wolframkontakten des Leistungsrelais übernommen,
und die Goldkontakte sorgen für den - auch bei kleinen Strömen und Spannungen konstanten - niederohmigen Kontaktwiderstand.

Ein weiterer Aspekt ist: Die Ansteuerung der Relais muß "beherzt" erfolgen.
Also nicht mit Transistor und RC Glied an der Basis, das würde ein "schleichendes" Ansteigen der Relais-Spannung ergeben,
die Kontakte haben dabei nicht von Anfang an genügend Druck, um ohne Funkenbildung zu schließen.
Beim Öffnen gilt das Gleiche:
Langsames Nachlassen der Kontaktkraft bewirkt Übergangswiderstand und damit Abbrand der Kontaktfläche.

Die Geschichte mit den Lautsprecher-Relais hat - außer der richtigen Wahl des Kontaktmaterials - noch einen anderen Aspekt:

    Mr. Halfgaar hat hier eine interessante Experiment-Serie durchgeführt:   
http://www.halfgaar.net/dc-protection-with-relays

    Es geht um den Ruhekontakt bei den Lautsprecherrelais, die die eigentliche Schutzfunktion erfüllen, wenn ein Lichtbogen
    beim Abschalten  von DC Spannungen 40...100V auftritt.




            Knackser in der Stereoanlage wenn der Kühlschrank oder andere Elektrogeräte schalten.
                    Ursache: Ein nicht beabsichtigter Rundfunkempfang

                    Als Antenne wirken z.B. die Lautsprecherleitungen parallel zu Stromleitungen an der Wand.
                    Die Induktivitäten und Kapazitäten der Frequenzweichen selektieren ein Frequenzband.
                    Die Schaltfunken sind Hochfrequenzwellen und werden verstärkt durch breitbandige (High End) Verstärker
                    und die Demodulation erfolgt irgendwo an einer Halbleiter-Diodenkennline, und schon ist der Knackser hörbar.

                    Abhilfe eigentlich nur durch erfahrenen Techniker möglich, der am Ort die einzelnen Fakten austesten kann.
                    Ob Netzfilter wirken - ist eine Frage der Störpfade.


            Radioempfang auf Phono, besonders am Abend
                     Problem mit der Abschirmung und Masseführung vom Plattenspieler zum Phono-Eingang des Verstärkers


            Brumm beim Anschluß des Tuner an eine Gemeinschafts-Antennenanlage: besonders in Altbauten

                    Ursache: Das Schutzleiterpotential (Abschirmung des Antennenkabels) der Gemeinschafts-Antenne führt entweder eine
                    kleine 50 Hz-Spannung oder der Schutzleiter der Steckdose der HIFI Anlage ist "nicht sauber".
                    Bereits eine kleine Spannung von 0,xx Volt kann erhebliche Ströme in die Masse-Verkabelung der HIFI Anlage
                    einspeisen und damit einen hörbaren Brumm bewirken!

                    Abhilfe: Galvanische Trenung der Antennen-Abschirmung von der Masse der HIFI Anlage durch
                    a. Mantelwellenfilter in der Antennenleitung
                    b. Anschluß der Abschirmung des Antennenkabels über einen Kondensator
                    c. Ankopplung der Antenne über HF-Trafo



        Schalter-Kontaktflächen reinigen  (Warnung !)

            Nie dem Tip folgen und mit einem Glasradierer die Kontaktflächen  bearbeiten.
            Die Goldauflage ist nur hauchdünn und wird mit dem Glasradierer sofort abgescheuert.
           mein Tip: Gold-Kontaktfläche mit  "Kontakt Gold 2000" dünn einsprühen und abreiben - und fertig.



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