Pievox  Information

           Statt Calibration tape - Messung des Wiedergabeverstärkers mit Stromeinspeisung in die Köpfe

Sweepmessungen mit  PC-Soundsystem
  

 
28.10.2017  Das neue  PIEVOX  "Anti-EQ Modul "  für Wiedergabe-Verstärker  Frequenzgang messen ohne Band.

 Anwendung an einer Studer B67  Anti_EQ mit Studer B67  mit Kopf-Einspeisung.
 Anwendung an einer StuderB67 NAB  mit einfacherem Omega - Einspeiseadapter  Omega Einspeisung B67 NAB
 
Anwendung an einer StuderB67 IEC mit einfacherem Omega- Einspeiseadapter  Omega Einspeisung B67 IEC


Dieses Modul ist für Profis gedacht, die in dem Geschäftsfeld Tonbandgeräte tätig sind.
    Gerade bei alten Geräten mit unbekannter Vorgeschichte ist man gut beraten, nicht sofort ein Calibration tape aufzulegen. Zu schnell ist was gelöscht .

Da diese Methode doch einige Freunde findet, habe ich mich entschlossen eine Platine mit den Entzerrungs-Zeitkonstanten zu entwickeln.

Es gibt die fertige und gemessene Platine (mit Protokoll) in zwei Versionen, die sich in der Bestückung unterscheiden
 "Amateur"  Schaltbar sind 90 / 3180us  und 50/3180us  (NAB)
 "Profi"   Schaltbar sind  35us IEC  70us IEC  und 50/3180us  (NAB)

Die Bauform der Platine ohne SMD Bauteile ist  bewußt im Stile "der Zeit der Bandmaschinen" ausgeführt , eine Geschmacksache.
Ich halte Hybride für unästhetisch, z.B  Digitalzähler in der relaisgesteuerten !  Revox A77  von 1967.


Bild der Platine mit den Entzerrungskomponenten





Die technischen Daten :
Eingangsspannung vom Generator / Soundkarte  normal 100mV  - max 200mV
Ausgangsspannung:  Bei 1kHz  ist ca. die Eingangsspannung.
Die Entzerrung wird durch eine Verstärkerschaltung exakt nach dem Verlauf des genormten Bandflußpegels ausgeführt.
Genau ausgemessene Kondensatoren und 1% Widerstände ergeben einen Verlauf der Ausgangsspannung
    der besser als +/- 0,2dB der Bandflußkurve entspricht ..

Batterie-Zustandsanzeige  über Blinker beim Einschalten
Kein Plopp  an der Einspeisung beim Ein und Ausschalten !

Das Modul :
Umschaltbare Entzerrungsverläufe je nach Modul -Version :

"Amateuer"  
    9,5cm/s    90µs  und 3180µs
    19cm/s  NAB  50µs  und 3180µs  
    38cm/s  NAB  50µs  und 3180µs

"Profi"
    IEC 38cm/s  35µs
    IEC 19cm/s  70µs
    NAB  19cm/s und 38cm/s:  50µs und 3180µs

Alle Anschlüsse über Stecker 
    - Betrieb mit  9V  Batterie ist hier von Vorteil, da dann keine Erdschleifen etc entstehen. Man arbeitet an den Köpfen mit µV !
    - Input 100mV von Generator oder Soundkarte
    - Output an Einspeise-Kabel
    - Rcu-Kompensation  ist per externem Potentiometer einstellbar von 30Hz ... 100Hz , damit auch Viertelspur und 2,75mm Köpfe (Revox)
entsprechend berücksichtigt werden können.
Sinnvollerweise macht man die Rcu-Kompensation schaltbar, damit auch die Methode der Einspeisung in Profi-Geräte
- direkt in den Kopfträgerstecker über Omega-Verlauf Spannungsteiler - mit der gewählten Entzerrung möglich ist.
Wozu überhaupt  Rcu Kompensation ?. Dazu am Ende des Artikels eine Erklärung .
   


Das Einspeisekabel mit den Klemmen läßt sich einfach selbst herstellen.    Falls gewünscht fertige ich paar Einspeisekabel.
Das Einspeise-Kabel  besteht aus einem Verzweigungspunkt mit 2 SMD Kond 0,1uF  und drei kurzen Kabeln zum Kopfträger :
    1x Masse und 2x zu den "heißen" Enden der Kopfwicklung

Die Einspeise Widerstände von je 1Meg sind in den roten Schrumpfschläuchen an den  Klips zu den Köpfen  eingebaut,
damit sie so wenig wie möglich Brumm aufnehmen .






Die praktische Anwendung des Einspeisekabels hier  an Revox B77  und A77

Wichtig : Die Masse (Schwarzes Kabel) muß immer als Erstes  angeklemmt werden  und als Letztes  abgklemmt .


Einspeisung  in B77 W-Köpfe    die 1MOhm Widerstände sind im Schrumpfschlauch
Einspeisung  in A 77 W-Köpfe    Achtung auf Massekabel!


Das Tonbandgerät muß dabei "ohne Band" im Wiedergabebetrieb laufen, d.h. bei der B77 den Bandende-Sensor
mit einem Stück schwarzen Isolierband abkleben, oder bei der A77 das Lämpchen ziehen.

Die Spulen laufen dabei im Leerlauf.
Messungen ca. bei -20dB unter 0db. Beispiels-Bilder mit Audiotester  weiter unten.



Der Einbau der Platine zum Beispiel:





   
So sieht mein Gerät aus
Schalter und Pot sind auf einem Zwischenblech befestigt, weil ich keine
Muttern auf der Frontplatte mag


Die Platine wird fertig aufgebaut und gemessen auf Toleranz geliefert. Das Gehäuse gestalten Sie nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen.

Der Preis für die fertige und geprüfte Platine (ohne Gehäuse etc.) beträgt  150 Euro  incl. MwSt  zzgl. Versand
    Lieferung :
    Platine  mit Prüfprotokoll
    + rote LED für Einschalt-Batterie-Kontrolle
    + Potentiometer  10k lin für die RCu - Kompensation,
    + Stecker und Kontaktteile, Batteriehalter
    + Anschlußplan
    + Informationen zur Eichung des RCu Potentiometers (Scala)

Bei Interesse an einer Platine (Amateuer oder Profi ) bitte Mitteilung per mail an info@pievox.de



Bilder von der Anwendung des Einspeisemodules :

Der Frequenzgang des Wiedergabeverstärkers und die Phasenparallelität der beiden Verstärker
kann dann mit jedem Generator und auch über eine Wobbel-Software gemessen und dargestellt werden.

Messungen an einer Revox B77 mit Kopf-Einspeisung
Diese Bilder (rechte Seite) zeigen den Wert der Rcu-Compensation, die ansonsten eine nicht vorhandene Tiefenanhebung vortäuscht.



B77  9,5cm/s  Einspeisung ohne Rcu comp

Die Höhenanhebung über 10kHz im Wiedergabeverstärker kompensiert
die
bei 9,5cm/s  bereits spürbaren Spaltverluste
Sie entsteht durch die Entdämpfung des Resonanzkreises Kopf -Ind. + 220pF.



B77  9,5cm/s  Einspeisung mit Rcu comp

Sehr ausgeglichener Frequenzgang im Tiefenbereich


B77  19cm/s  Einspeisung ohne Rcu comp

Auch hier scheinbare Baßanhebung durch Rcu Einfluß


B77  19cm/s  Einspeisung mit Rcu comp

Mit Rcu Compensation erfreulicher + realistischer Frequenzverlauf.
Das ist Revox -Qualität ohne großen Aufwand !


B77 9,5cm/s   1kHz Phasendifferenz


B77 9,5cm/s   10kHz Phasendifferenz



B77 19cm/s 1 kHz Phasendifferenz

Hier ist etwas nicht ok - sollte wie bei 9,5cm/s  sein



B77 19cm/s 15 kHz Phasendifferenz

Bei hohen Frequenzen kleinere Phasendifferenz
19.11.2016  Anwendung an einer Studer B67













Die Vorgeschichte


Ausgangspunkt war, als ich bei einer Routineprüfung  feststellte, daß an meiner A77 Dolby der Wiedergabe-Spalt  nicht mehr stimmt.
Nähere Untersuchung ergibt dann, daß auch der Frequenzgang danebenliegt .
Ursache war dann letztlich der Schiebeschalter, der justiert werden mußte (am Netzschalter gibt es dafür extra eine Schraube)
deshalb war der eine Kanal immer auf 9,5cm entzerrt.

Um dem Fehler auf die Spur zu kommen, habe ich, wie
in  eine Skizze im Revox A77 Service Handbuch auf S. 66. illustriert
ein Generatorsignals 0,1V über je einen 1MOhm  Widerstand auf die Kanäle des  Kopfes eingespeist 
und die Frequenzgänge und  Phasenparallelität der Wiedergabeverstärker mit einem Oszilloskop
entweder in Zweikanal- oder x-y Darstellung
verglichen.

Diese Methode ist auch bei der Reparatur von - nun ja  - älteren Tonbandgeräten  anzuraten, denn,
bevor man ein Bezugsband auflegt, sollte man sicherstellen, daß die Wiedergabeverstärker richtig funktionieren und die Frequenzgänge stimmen.

Basis der Methode ist - wie erwähnt - das A77- Service Manual    Revox_A77_Serv.pdf   vom Studer-Server.




Noch eine Erklärung zur  Rcu-Compensation

Der eingespeiste Strom erzeugt über der Induktivität des Wiedergabekopfs eine mit der Frequenz ansteigende Spannung, so wie bei der Abtastung eines Magnetbands.

Jedoch  bei tiefen Frequenzen kommt der Wicklungswiderstand Rcu in den Bereich des induktiven Widerstands und wird sogar dominant, so daß
wie  in der grünen Kurve gezeigt, die Spannung am Kopf nicht mehr dem Omega-Gang folgt.  Im Frequenzgang wirkt sich das als Tiefenanhebung aus.

Die Rcu Kompensation senkt im Bereich des Übergangs (Grenzfrequenz ) die Spannung in der gleichen Weise ab, wie sie durch  den Wicklungswiderstand
angehoben wird, damit ist der Verlauf bei tiefen Frequenzen auch entsprechend dem Omega -Gang  = rote Kurve.



Frequenzverlauf  der Spannung am Kopf
direkt und  über Einspeise-Hochpasses zum XL Ausgleich



Kleine Nachbemerkung

Wer ist der Erfinder der Einspeisemethode?
Vermutlich war es eine Idee der Rundfunkanstalten aus den Anfangszeiten der Magnetbandgeräte.

Erste Erwähnung eines Bezugsbands in  Rint  "Handbuch für Hochfrequenz- und Elektrotechniker"  Band I Ausgabe 1953 .
Die Normung der Magnetband war noch im Gange und verschiedene Vorschläge wurden diskutiert.

In der Ausgabe des Rint "Handbuch ..."  1957  ist eine Norm 45513  für die Entzerrungszeitkonstanten erwähnt.

EMT 203  heißt das erste mir bekannte Gerät für die Einspeisung in die Wiedergabe-Verstärker.