Ernst Schmid Elektronik München:
            Technische Details   für Revox Tonbandgeräte A77 auch B77 und PR99
  

 
Hier werden in loser Folge Beiträge und Meßwerte erscheinen oder Schaltungsdetails besprochen,
die nicht im Service Manual stehen,  die aber dennoch für das Verständnis und
eine eventuelle Reparatur hilfreich sein können.




Neu am   26.7.2016    Über die Bandschlaufe,
         die beim Start der Revox A77 / B77 nach dem Capstan in einem seltenen Betriebsfall entsteht:

Beobachtungen an meiner B77 MKI  9,5 /19  Version (mit der einfachen Umschaltung der Spulengröße)

Bei Verwendung einer vollen Metallspule rechts hebt das Band minimal am Umlenkbolzen ab und fängt sich sofort.
Nur bei fälschlicher Schaltung auf "kleine Spule" entsteht eine größere Schlaufe.

Mit Kunststoffspulen - der Standard-Speichenspule und der moderneren schwarzen 3-Loch Spule
ist auch bei voller Spule rechts fast keine Schlaufenbildung bemerkbar.
(Umschaltung der Spulengröße auf große Spule )

Das heißt, der Startkick ist gut dimensioniert, denn daß man mit "fast voller Spule rechts" eine Aufnahme startet
dürfte Seltenheitswert haben.

Beobachtungen an meiner A77 MKIV 9,5 /19  Version
Bei der A77  ist der Startkick über eine Kondensatorladung mit dem Relais C verknüpft, das
nach dem Aktivieren von Play den Startkick auf den Motor schaltet.

Bandgeschwindigkeit auf 19cm/s :
Bei Verwendung einer vollen Metallspule rechts hebt das Band minimal am Umlenkbolzen ab und fängt sich innerhalb 2s wieder.
Nebenbei: Bei 9,5cm/s  ist auch bei voller Metallspule rechts keine Schaufenbildung beim Start feststellbar.

Mit Kunststoffspule - der moderneren schwarzen 3-Loch Spule
ist bei 19cm/s  und voller Spule rechts nur eine minimale Schlaufenbildung bemerkbar.
Bemerkbar als kurzes Pendeln ca. 1s.

Am Bandanfang - also leere Spule rechts - ist in keinem Falle eine Schaufenbildung erkennbar.



Neu am   28.5.2016
     Zum Thema   Revox A77 Einmessen mit IEC II Bezugsband  nach Service Anleitung

A77-Servicemanual, Punkt  6.  Man nehme ein AGFA / BASF - Test tape 19H nach DIN 45513 (1966)  und  Punkt   6.3.1

Man muß zunächst unterscheiden: Es wird nur die Ausgangsspannung der A77 mit dem 320nWb/m Bezugsband auf 2V justiert !

Das VU Meter wurde - nach der Original-Anleitung - in einem separaten Vorgang auf "6dB unter Vollausteuerung" des Bandes justiert.
Als Vollaussteuerung wird in den Datenblättern der Bänder der "Mag flux Wert" bezeichnet, bei dem, bei 1kHz Meßfrequenz ,
ein Klirrfaktor (dominant k3)  von 3% auftitt. Die sog. MOL 1/3 Kurve.

Nur- die wenigsten Service-Werkstätten und der Amateur schon gar nicht - hatten und hat heute die Möglichkeit den K3
zu messen. Ich vermute, man hat dann einfach das VU Meter auf 0dB bei 320nWb/m justiert.
Somit wurden die dünnen Bänder - mit der NAB-typischen Baßanhebung -
grenzwertig hoch ausgesteuert.

Erst im Nachtrag zur A77 Serviceanleitung  (PDF ab S..449 ist explizit von 257nWb/m als Ref mag flux die Rede.
Damit wird die Ausgangsspannung auf 1,55V justiert.

Die Aufnahme wird auf den gleichen Magnetisierungslevel wie vom Cal Tape justiert.
Das VU Meter wird dann auch bei diesem Pegel auf 0VU Anzeige justiert.  Quelle: Nachtrag zur Serviceanleitung A77.
Ist zwar etwas umständlich beschrieben: Erst +6dB  , dann 6dB absenken  und 0VU justieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die oft gehörte Klage, bei den Revox A77 wäre bei Viertelspur
das Übersprechen in den Nachbarkanal sehr hoch.

Könnte sein, daß diese Geräte auf einen Bandfluß auf 320nWb/m justiert sind,  was zusammen mit der NAB-Anhebung in den Tiefen
bei baßlastiger Musik zu einem enormen Magnetfluß führt, der dann stark in die Nachbarspur einstreut.
Die japanischen Geräte waren als NAB Geräte immer am Ampexpegel orientiert, der zunächst mit 185nWb/m,
und als die Bänder höher ausgesteuert werden konnten, auf 250nWb/m definiert wurde.
Damit schon paar dB unter dem 320nWb/m der IEC - die ja keine Baßanhebung  für 19cm/s  und 38cm/s vorsieht.
Für 9,5cm/s hat auch IEC die NAB Entzerrungs Zeitkonstanten übernommen,
als Ref. Pegel nach letzter Normausgabe  250nWb/m bei 315 Hz.





Wie funktioniert die Übersprechkompensation bei den Revox Bandgeräten?

Das ist auf den ersten Blick eine etwas seltsame Schaltung der A77 und B77, mit der das Übersprechen
durch eine Verbindung der Verstärker kompensiert werden soll. 
Leuchtet nicht direkt ein, wie durch eine Verbindung der Kanäle das Übersprechen verringert werden soll.

Zuerst zur Definition: Was ist Übersprechen?
Als Übersprechen bezeichnet man Signale, die im jeweils anderen Kanal eigentlich nicht vorhanden sind, aber durch
eine Verkopplung dorthin geraten sind. Im Falle des Magnetkopfes duch die Magnetspulen-Verkopplung..

Als Beispiel: Kanal L streut im Tonkopf in Kanal R.
Zur Kompensation kann man einen entsprechenden Betrag der Spannung des Kanals L GEGENPHASIG in den Kanal R einspeisen und so
eine (weitgehende) Auslöschung des Übersprechens bewirken.

In der Realität ist es natürlich so, daß verkoppelte Spulen  1 -> 2  und zurück 2 -> 1 wirken, wenn auch leicht unterschiedlich.
Bei den Studiomaschinen gibt es getrennte Einstellmöglichkeiten zur Kompensation  L-> R  und R ->L.

Bei der A77 und B77 ist nur ein Pfad in beide Richtungen vorhanden.
Siehe  Schema  B77 Wiedergabeverst.  der 560k Wid  zwischen  Y-EQF-L  und Y-EQF-R.
und  Schema A77  Switchboard   P305  und R303  oder Schema  der Wiedergabeverst.  zwischen den Pins 3  der Wiedergabekanäle L und R

Damit kann durch diese einfache Verbindung für Signale, die im anderen Kanal nicht vorhanden sind, eine Übersprechkompensation (= Reduktion) erreicht werden.
Der Clou dabei ist, daß vom jeweiligen Kanal das Signal gleichphasig ausgegeben wird, aber als Steuersignal gegenphasig wirkt. 



   Thema  A77 / B77 / PR99  Bremsen
       Der Bandzug wird - wie bei Profi-Geräten üblich -  durch einen elektrischen Abwickelzug erzeugt, nicht durch mechanische Bremse.
       Die Bremsbänder sind nur im STOP Zustand angelegt , während Play und Wickeln "gelüftet", d.h. abgehoben.
 
   Thema  VU Meter bei  A77 / B77 / PR99
       Bei B77 und PR99 und A77 Dolby   zeigen die VU Meter auch bei Wiedergabe an

       Bei A77  in der ursprünglichen Standardausführung  zeigen die VU Meter nur bei Aufnahme an
       Es gibt zwar eine Trickschaltung mit aktivierten Aufnahme-Drucktasten (neben den VU metern)  und Quellenüberkreuzung  I->II  und II -> I
           Dann ist aber der Schutz vor irrtümlichem Löschen aufgehoben. 


 Die Leichtgängigkeit des Lagers des Capstan Motors  kann man auch erkennen  an der für die  Solldrehzahl  erforderlichen Spannung .
    Im Leerlauf  und besonders mit aktiviertem Andruck wird erkennbar, ob das Gleitlager gut geschmiert ist oder trocken läuft.

   
S
pannung an den Anschlußleitungen  gelb   -  grün  des Capstan-Motors   im Leerlauf / mit Andruck aktiviert

       gemessen an einer  A77  MK II  9,5/19
                                            Diese Meßwerte deuten auf verharzte Lager hin
                                            bei kleiner Geschwindigkeit   40V  /  95 V
                                            bei großer Geschwindigkeit   50V /  105V   

    Tatsächlich war an dem Motor  das Kugellager schon recht schwergängig.  Ersatz des Kugellagers führte zum Rotteln des Motors im Senkrechtbetrieb.
       Letztlich wurde ein Ersatzmotor der zweiten Bauform (ohne Kugellager )  eingebaut

      Werte   gemessen an einer  A77  MK IV   9,5/19
                                            bei kleiner Geschwindigkeit   35V  /  63
                                            bei großer Geschwindigkeit   40V /  75V      sieht schon besser aus


Auswirkung der Motor  Phasenschieber-Kondensatoren mit etwas höherer Kapazität

       Habe vorsorglich mal neue Motor-Phasenschieber Kondensatoren eingebaut und bei der Gelegenheit mal  nachgemessen,
       und  die Meßwerte für den Bandzug  mit alten Kondensatoren  verglichen.



  Die ausgebauten Kondensatoren waren kapazitiv in der Toleranz  +/-10%
   Die neuen Kondensatoren  mit +/- 5% Toleranz


             Die Meßwerte  am Capstan sind an den entsprechenden Motorkabeln  gn  = grün , ge = gelb , gr = grau  im Leerlauf des Capstan und mit aktiviertem Andruck gemessen
             Es ist kein relevanter  Unterschied erkennbar.
             Bei den Wickelmotoren ist ein Anstieg der Start-Zugkraft beim Wickeln  um ca. 10% erkennbar, dürfte aber auch  für 35um Band kein Problem sein.
             Die Zugkräfte wurden mit einer Spule mit  Bandwickel -Radius  von 7,7cm  mit einer Correx Federwaage gemessen.

             Da
die Motoren der B77 und PR99 in der Grundkonstruktion ähnlich sind, können die Werte auch für diese Geräte plausibel übertragen werden.
             Werde bei Gelegenheit mal die Messwerte  an meinen B77 vergleichen.




Aus aktuellem Anlaß mal nachgemessen   Rückhaltezug  beim Wickeln:
Rückhaltezug  beim Wickeln der B77  mit 7,7cm Bandwickel-Radius    15gr beide Seiten
Rückhaltezug  beim Wickeln der PR99  mit 7,7cm Bandwickel-Radius  Spulengrößte Taste = klein  15gr beide Seiten
Rückhaltezug  beim Wickeln der PR99  mit 7,7cm Bandwickel-Radius  Spulengrößte Taste = groß  30gr beide Seiten

Die Vergrößerung des Bandzuges beim Wickeln  ist bei der PR99 für die Verwendung mit AEG Teller Offenwickeln  erfolgt,
Ansonsten die Gefahr besteht, daß der zu lockere Wickel auseinenderfällt.
Auch bei der A77  in ORF Version ist so ein erhöhter Wickelzug eingebaut.


     Bandführungen an den Kopfträgern  A77  und B77

      

      Bei einer
B77  wunderte ich mich über den unsauberen Bandlauf sowie starke Phasenschwankung
       beim Einstellen des Kopf Azimuth.

      Habe zur Untersuchung den  B77-Kopfträger ausgebaut und auf der Meßplatte vermessen:

      Der Zenith der Köpfe war sehr gut justiert  und die Höhe der Kopfspiegel paßte mit der Bandführung
        zusammen.

Aber ...




Die  Bandumlenkung links hatte ein Maß von 6,6mm statt 6,3mm, die rechte Umlenkung ebenfalls 6,6mm
und die Höhe stimmte hinten und vorne nicht mit den Köpfen und der Bandführung zusammen.

Der Vorbesitzer hatte wohl das linke Kugellager wechseln wollen und dabei fielen ihm 4 Scheiben entgegen, die er dann je zwei unter und zwei über das Kugellager packte.

Den Unterschied in der Stärke der Scheiben bemerkte er nicht, denn das ist wirklich nur mit der Mikrometerschraube zu erfassen, daß es zwei Scheiben mit 0,15mm  Stärke und je eine mit 0,1 und 0,2 mm waren.

Die 0,15mm Scheiben gehören unter und über das Kugellager, die 0,2 und 0,1mm Scheibe unter die gesamte Anordnung unter den unteren Teller.   Dann stimmt die Höhe und der Abstand der beiden Teller .

Ebenso am rechten Umlenkbolzen, auch hier gehört die Scheibe unter die gesamte Anordnung um deren Höhe zu justieren.
Der Alu-Rundling -Umlenkbolzen hat bereits das Maß 6,3mm.








 



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